
Ein weiterer Amoklauf. Das Volk hat wieder ein Unterhaltungthema und RTL wechselt nicht einmal das Logo “Amoklauf in der Schule” vom letzten Amoklauf – es ist bereits zum Standard geworden. Alle haben es mitgekriegt und alle finden es schlimm.
So etwas muss um jeden Preis verhindert werden und wir alle werden alles dafür tun, um so etwas in Zukunft wirklich zu verhindern. Wir werden uns mit Sicherheit bemühen und versuchen, das Problem aus der Welt zu schaffen.
Das alles höre ich zum dritten Mal. Erfurt, Emsdetten, Winnenden. 2002, 2006, 2009.
Jedes Mal finden es alle schlimm. Jedes Mal wollen so etwas alle verhindern. Jedes Mal suchen alle nach DEM Grund für die Amokläufe. Und werden fündig. Zu den Dauerkandidaten bei Deutschland Sucht Den Amokgrund gehören, auch bei der dritten Staffel, Gewalt im Fernsehen, aggressive Musik und, ganz weit oben, die Killerspiele – explizit dieser Begriff ist, glaub ich, sogar ein Nebenprodukt vom Erfurter Amoklauf. Die mögliche Gefahr, die von Killerspielen ausgehen könnte – Thema der aktuellen Dokumentationsfilme. Am Ende die Aussage: “Es konnten keine direkten Zusammenhänge, zwischen den Killerspielen, Aggressivität und Töten nachgewiesen werden. Doch eines ist sicher – sie haben einen gewissen Einfluss auf den Menschen”. Counter-Strike – eines der hauptverdächtigen Spiele und mein Lieblingsspiel der letzten 5 Jahre.
Diesmal sind die Killerspiele jedoch nicht der Hauptgrund für den Amoklauf. Der Hauptgrund sind die laschen Waffengesetze in Deutschland. In welchem Land der Welt kann man schon Waffen für Sportzwecke besitzen? Und das nach gerade mal 12 Monaten nachgewiesener Schützenerfahrung? Ist Schießsport überhaupt noch ein Sport? Und wenn es kein Sport ist, warum verbieten wir es nicht? Ach was solls! Auch wenn es ein Sport ist, wir sollen es dennoch verbieten! Es sind Waffen im Spiel! – Das sind die Stimmen, die man aus den Nachrichten hört.
“Grüne sind für schärfere Waffengesetze” – wie viel schärfer dürfen sie noch sein? Die deutsche Gesetzgebung hat meiner Meinung nach genug Chili beigewürzt. Deutschland hat bereits die strengsten Waffengesetze, die gerade mal Schützensport zulassen. Eine wunderbare Sportart, die ich über 3 Jahre ausgeübt habe. Auffällig sind sehr viele Regeln, die den Sportler schnell ein verantwortungsbewusstes Umgehen mit der Waffe lehren.
Killerspiele und Waffengesetze – was für Faktoren gab es bei dem Amoklauf noch? War sind immer noch auf der Suche für DEN Hauptgrund für die Amokläufe! Naja, sicherlich wäre der Mensch selbst ein Faktor…er ist auch fehlerbehaftet….
Was hat alle drei Amokläufer ebenfalls verbunden, außer der Liebe zu Counter-Strike? Vielleich ihre ruhige, zurückgezogene Art? Oder ihre eigenen internen Probleme? Vielleicht das Fehlen einer Person, mit der man die Probleme besprechen könnte, oder die Anwesenheit von Personen, die die Probleme verursacht haben? Klingt das Böse? Möglicherweise.
Doch ich finde es etwas ungerecht, wenn in Nachrichten die Wahrheit verschwiegen wird. Auch wenn es eine Teilwahrheit ist, betrifft sie uns doch alle. Wir sind eine Hierarchie-Gesellschaft, die sogar nach mehreren Hierarchien lebt. Leistung, Aussehen, Geld, Umgang. Und keiner will ganz unten sein. Es ist okay, wenn man unten ist. Es muss nur noch jemanden geben, der noch weiter unten ist. Das ist der Grund, warum 80% aller Kollektive, zu denen auch Schulklassen gehören, mindestens einen Totalversager haben.
Der Totalversager ist die eine Person, die alle davor rettet sich nie ganz unten zu befinden – und so wird er auch behandelt, über Jahre.
Wir schufen uns soviele Kulte – den Körperkult zum Beispiel. Der Leistunssportler mag ein Sixpack haben, gut ich kann ihn nicht das Wasser reichen, aber ich bin nicht SO FETT, wie der da. Schon ist der Junge mit der Wampe der Totalversager.
Der Totalversager wird oft isoliert. Was lange Isolation mit einer Person anstellen kann – davon können moderne Folterer berichten.
Weder die Killerspiele, noch die Waffengesetze sind an den Amokläufen schuld. Das Fehlen von Killerspielen, Marylin Manson und Actionfilmen hinderte Charles Whitman nicht daran 17 Menschen in einem Amoklauf 1966 niederzustrecken. Viel mehr trägt den Hauptteil der Schuld unser Umgang miteinander. Doch dagegen kann man nur schwer ankämpfen – es herrscht die Diktatur der Sozialdynamik. Und solange sie herrscht wird es weitere Amokläufe geben und, ihnen folgende, Killerspiel-Diskussionen, die nach wenigen Monaten, bis zum nächsten Amoklauf, erlöschen.
Wir könnten alles ändern, doch wo, auf dieser Welt, ist noch ein “Wir” vorhanden?

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