Home / Sport & Fitness / Leben.Streben.Unterwasserrugby – Aller Anfang ist schwer

Leben.Streben.Unterwasserrugby – Aller Anfang ist schwer

Nachdem ich mittlerweile schon ein paar Mal im Training der Rugbymannschaft war, sehr zum Leiden meines Schwimmtrainings, fühlte ich mich langsam sicherer, nicht nur im Wasser sondern auch der Mannschaft gegenüber. Ich habe selten eine derartige Truppe von Individualisten gesehen und gleichzeitig Leute, die im Team eine solch enorme Empathie entwickelt haben, dass ich am Anfang absolut nicht wusste, wie ich damit umgehen sollte.

Aber Soft Skills bei Seite und Die-Hard-Skills hervorgeholt. Um ein guter Spieler zu werden musst du technisch versiert sein. Du musst konditionell top sein und deine Augen müssen schon vor einem Spielzug sehen was passiert. Wenn dann auch noch dein Körper diese Aktionen kombiniert, dann kannst du es schaffen, einen Ball zu erobern.

Das bemerkenswerte an dieser These ist, dass sie nicht wie viele jetzt vielleicht vermuten, von Stephan kommt, nein sie kommt von mir! Habe ich mir damals selber ausgedacht und zurechtgelegt. Es war wie eine Weisheit, die ich mir vor jedem Training ins Gedächtnis gerufen habe. Rituale sind für viele Unsinn und Humbug, aber wenn du an irgendwelche Rituale glaubst und sie dich stärker machen und du dich dadurch besser fühlst, dann nimm dir die Zeit und tu sie! Nach jedem Spiel, vor jedem Spiel, vor einer Klausur, nach einer Klausur, wann immer du willst!

Was ich ursprünglich anmerken wollte, war dass ich es wirklich alleine geschafft habe, diese Weisheit herauszufinden. Das besondere daran ist, dass ich wie Lutscher es einmal vor vielen Jahren zu Beginn meiner damals noch unbekannten Karriere, sagte, ich sei ein kleiner, fetter, dummer Junge. Klingt hart, war aber so! Natürlich ist man in so einem Moment verletzt, aber motiviert es einen nicht auch enorm? Ich glaube, dass die meisten Beleidigungen oder Gemeinheiten von Menschen, die wir mögen kommen, um uns zu fördern. Natürlich sagen die Sozialwissenschaften nun, man soll kommunizieren und Feedback geben und bloß nur keine zu harte Kritik ausüben. Ja klar. Alles Quatsch! Wir sind nicht im Kindergarten. Wir sind hier beim Rugby. Rugby ist ein Spiel. Spiel ist Krieg. Aber kein sinnloser Krieg. Wobei jedem selber überlassen ist, was er für sinnvoll oder sinnlos hält, ich werde einen Teufel tun und hier irgendwelche Vorgaben machen.

Jedenfalls war dieser Sport für mich mein persönlicher Krieg. Ein Krieg gegen viele Feinde. Zunächst einmal gegen meine, trotz regelmäßigen Schwimmtrainings schlechte Kondition, gegen mein Gewicht, wie wir gehört haben war ich ja nicht gerade der Schlankeste, gegen andere Mitspieler, die mir unsympatisch waren und ich mir erst einen Namen machen musste und den größten Krieg, gegen die Jugend. Genauer Jugendsünden. Nun liegt es wohl in der Natur des Menschen alles auszutesten was geht. Dabei gilt die Faustregel: Was gefährlich ist, ist verboten und was verboten ist, ist geil. Ich will nun im Nachhinein garnicht darüber nachdenken, in wievielen dummen Situationen ich mein Leben riskiert habe, wegen irgendeiner Wette oder irgendeinem Scheiss.

Allerdings war das nicht meine größte Sorge, die begründete sich vielmehr im Alkohol- und Zigarettenkonsum. Hier muss ich gleich festhalten, dass ich noch nie eine Zigarette geraucht habe. Aber dafür einige andere Sachen. Ich denke ich kann darüber offen sprechen, da es eine Jugendsünde war und Sünden gebeichtet werden. Ich hoffe die Katholiken verzeihen mir, dass ich mir ihre Beichte ausgeborgt habe. Als Junge mit dem Traum, ein großer, starker Rugbyspieler zu werden, begann ich die siebte Trainingswoche in Folge. Langsam wurde ich mehr gelobt, für die meisten war ich allerdings immer noch ein hoffnungsloser Fall , das gefiel mir nicht.

Also nahm ich mir, gestärkt durch einen Bruce Lee Film vor härter und mehr zu trainieren. Ja das funktionierte auch, zwei Tage lang, dann waren Schulferien und Torsten kam mit der freudigen Botschaft zu mir, dass seine Eltern für die kompletten Ferien nach Ecuador gehen würden. Scheisse! Nein, nicht scheisse kein Training. Nein! Scheisse, drei Wochen Party! Sofort organisierten wir für den nächsten Abend die erste Party. Bier von daheim, Bacardi, sponsored(unfreiwillig) by dad, Schischa und Gras. Ja genau, DAS Gras. Jeder kennt es, keiner nimmt es.

Dass die folgenden Wochen heftig und exzessiv waren kann sich bestimmt der ein oder andere vorstellen, daher möchte ich hier jetzt nicht ins Detail gehen, es soll nur gesagt sein, ich weiß warum Profis nicht trinken oder derartige Dinge tun. Nachdem die gefühlten 200 Wochen rum waren beschloss ich wieder ins Training zu gehen, da allerdings die meisten vom Rugby weg waren auf einem Turnier, fiel das Training aus und ich begnügte mich mit dem guten alten Kachelnzählen, oder auch Schwimmtraining.

Als ich hier so schön auf und ab schwamm und meine Kacheln zählte, wurde mir klar, dass ich wohl nie wieder die Schwimmbrille zum normalen Schwimmen benutzen würde. Rugby. Das war es. Das fehlte mir. Allerdings fehlte mir nicht nur das Rugby, sondern auch die nötige Luft und Kraft um das Training, mein letztes, für den Schwimmverein PSV komplett zu beenden. Das war mir noch nie passiert. Wie drei Wochen Trainingsmangel gemischt mit Jugendsünden einen doch zurückwerfen können.

Wieder war mein Ziel, der Star zu werden ein weiteres Mal in die Ferne gerückt. Von diesem Moment an war mir klar, ich muss hart bleiben, ich wollte mir beweisen, dass ich hart sein kann. Und vor allem wollte ich meinetwegen alle, aber mich nicht enttäuschen…

About verdammte axt

Check Also

Wie die Industrie an unserem Streben nach gesundem Essen Geld macht

Meinst du, dass organische Lebensmittel zurzeit die beste Wahl sind? Dass „Bio“ immer noch „Bio“ ...