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Elle

Auf Anfrage von Gerald Parango, wird hier bei Men’s Finest der erste Teil seiner schwer einzuordnenden “Kurzgeschichten” veröffentlicht. Es ist aus dem Gesamtwerk, “Trauma”, dessen Veröffentlichungsdatum leider noch nicht bekannt ist. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.

Elle

Die Gunst der Stunde nutzen. Ein ganz nettes Sprichwort. Doch ob es günstig ist, um halb 3 Uhr morgens einen Text zu verfassen, dessen Thema und Handlung sich erst entwickeln soll, sei dahingestellt. Es ist mal wieder ein Abend, an dem ich mir Ziele für den nächsten Tag gesetzt habe. Keine Großen. Einfach etwas produktive Aktivität und deswegen den Tag auch durch ein frühes Aufstehen besser nutzen zu können. Denn der frühe Vogel fängt den Wurm. Schon wieder so ein Sprichwort. Eigentlich werden Sprichwörter ja viel zu oft benutzt, wir registrieren sie kaum noch. Fast so wie Werbung filtern wir sie einfach raus und behalten sie im Unterbewusstsein, bis sie uns irgendwann mal einholen. Uns eine Erkenntnis liefern und Klarheit verschaffen.

Doch wie kann ich um diese Uhrzeit nur von Klarheit reden. Im Moment ist nichts wirklich klar und der größte Feind, die Zeit, sitzt in ihrem Kämmerchen und lacht. Man kann sie schon fast als extreme Sadistin bezeichnen. Sie nutzt ihre Macht um Menschen zu quälen. Lässt sie vergessen, altern, sterben. Doch in meinem Fall, raubt sie mir einfach nur einen erholsamen Schlaf. Mittlerweile ist es fast 3 Uhr morgens und die Müdigkeit ist noch in weiter Ferne. Der Wecker würde um 9 Uhr klingeln, also hätte ich noch genau 6 Stunden Schlaf. Aber um zu Schlafen, muss man erstmal einschlafen. Dem Geist Freiheit geben. Er muss sich frei entfalten können. Er will ja auch seine eigene Welt bestaunen und sich ausleben. Was macht man aber, wenn er sich nicht ausleben will. Hat zu tun, mit der Realität seines Körpers. Und selbst für Gebilde, wie den eigenen Geist, gelten Sprichwörter. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Seinen Spielplatz, den Traum, indem er frei ist von allen räumlichen Beschränkungen, frei von der Macht die seines Körpers größter Feind ist, kann er nicht voller unvollendeter Gedanken erreichen.

Vor allem, wenn diese Gedanken so essenziell für mich sind. Genau gesehen, sind es ja nicht einmal mehrere Gedanken. Es ist einer, an eine ganz bestimmte Person. In unserem Sprachgebrauch gibt es sogar ein Wort für diesen Gedanken. Liebe. Sie ist fast genau so eine Sadistin, wie die Zeit. Mit einer Ausnahme. Sobald sie erwidert wird, verwandelt sie sich von einem bloßen Gedanken, in pures Glück. Sie beflügelt einen und lässt einen selbst die Zeit nicht mehr als Obermacker, mit Schlagring und Baseballschläger, erscheinen, sondern man erkennt die guten Seiten an ihr. Man vergisst, vieles, was einem Kummer und Sorgen bereitet hat und erfreut sich manchmal sogar daran. Man altert, zusammen mit dem Menschen, der auch noch im Alter stets für einen da sein wird. Und man stirbt. In dem Glauben daran, dass man etwas erreicht hat, selbst wenn die Frau das Einzige ist, das man erreicht hat.

Wenn sie nicht erwidert wird? Nun ja, das besondere an der Liebe ist ja, dass sie die Welt der Gedanken verlassen kann. Doch hier gilt nicht, wenn keine Liebe zurück kommt, sind einfach nur keine Glücksgefühle da. Nein! Es schlägt stark um, in Trauer. Diese ist das krasse Gegenteil dessen, was man in der Liebe empfindet. Man wünscht sich das Vergessen, das Altern, den Tod. Doch all das rückt in immer weitere Ferne, da die Zeit als Sadistin, in dieser Situation ihre Macht am besten entfalten kann. Wenn man davon ausgeht, dass diese Logik stimmt, dann fehlt nur noch mein Dilemma. Ich weis nicht, ob diese Frau die Liebe erwidern wird, oder ob der zweite Fall eintreten wird.

Man kann in indirekte Aussagen sehr viel hineininterpretieren. Jedoch gibt es nur eine Interpretation, die auch vom Author gewollt ist. Was ist, wenn ich falsch interpretiert habe? Fall B wird eintreten. Doch wieso bereitet mir genau diese Frau schlaflose Nächte und nicht irgendeine andere? Rational kann man das kaum erklären. Es ist einfach sie selbst. Ihre Haare, ihre Augen, ihre Art. Weil sie ist, wie sie ist. Genau genommen, wissen sogar sehr viele mehr über sie als ich, doch ich kann sagen, es ist die Richtige. Für Detailinformationen, hab ich im Idealfall noch ein ganzes Leben vor mir.

4 Uhr morgens. Beim kurzen überfliegen der Geschichte fällt mir auf, viel zu ausschweifend, zum Teil zu Oberflächlich, kein allzu festes Thema, keine Topstory. Aber das Leben. Sprichwort: “Das Leben ist schwer.” Müdigkeit ist immer noch in weiter Ferne.

Im Notfall wird fortgesetzt

Gerald Parango

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