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Aber Experten sagen…

Ich werde wohl nie aufhören mich über Menschen, deren Grundeinstellung ein völliges Vertrauen in vage Autorität ist, zu wundern. Selbst Resultate werden dadurch in den Hintergrund gerückt. Dazu habe ich eine kleine Geschichte.

Vor einigen Wochen habe ich mit meiner Familie gefrühstuckt und mich mit meinem Vater unterhalten. Irgendwann erzählte er mir beiläufig von einem Arbeitskollegen, der gerade seine Glukosewerte nicht in Griff bekommt. Ich kenne ihn persönlich – der Kerl ist ein Diabetiker und dadurch auch gewissermaßen ein Disziplinmonster, von daher kommt es relativ selten vor, dass er Probleme mit seinen Werten bekommt. Diesmal hat es ihn aber erwischt und egal wie gut er auf seine Ernährung geachtet hat, waren die Werte im kritischen Bereich.

So wie der Zufall es wollte, habe ich vor einiger Zeit die Info aufgeschnappt, dass schlichte Zitronensäure, vor der Mahlzeit eingenommen, verhindert, dass der Glukosespiegel durch die Decke geht. Also habe ich meinem Vater die Info weitergegeben und ihn gebeten, diese Empfehlung auch dem Kollegen auszusprechen. Ein paar Tage später wurde dieser von meinem Vater belehrt und hat tatsächlich angefangen den Plan umzusetzen – vor jeder Mahlzeit einen Esslöffel Zitronensäure. Nach einer Woche ließ er mir von meinem Vater Danksagungen ausrichten, mit dem Zusatz, dass das Experiment absolut gelungen ist und sein Glukosespiegel zum ersten Mal seit Wochen kontinuierlich unterkritisch ist. Eine weitere Woche später frohlockte der Kerl noch heftiger, denn die Werte haben sich mehr als normalisiert.

Nach zwei Wochen habe ich mich bei meinem Vater über seinen Zustand erkundigt und erfahren, dass er die Säure abgesetzt hat und die Werte wieder voll im Eimer sind. Es ist verständlich, dass dabei die Frage nach dem „Wieso“ aufkam. Wieso hat er die Säure abgesetzt? Die Antwort hat mich in eine kognitive Dissonanz versetzt: Der Kollege hat mit seinem behandelnden Arzt gequatscht und dieser hat gemeint, er könne es sich nicht vorstellen, dass Zitronensäure bei Diabetikern zu besseren Blutzuckerspiegeln führen könne. Punkt. Der Kollege war über diese Erkenntnis enttäuscht und hat die Säure abgesetzt.
Was zur Hölle soll das?

Von seinem Standpunkt sieht es so aus: Er hat ein Problem. Er findet eine unkonventionelle Strategie für die Bewältigung des Problems. Die Strategie geht auf – es gibt messbare Resultate. Er hört eine skeptische Stimme, die von einer Autoritätsperson kommt und die offensichtlich diese Resultate leugnet. Er gibt die Strategie auf.

Vom Standpunkt des Arztes sieht es so aus: Er hat einen Patienten. Der Patient schluckt teure Medikamente und beschäftigt den Arzt, was doppelten Profit bedeutet. Der Patient findet ein Medikament, das von Aldi für 89 Cent angeboten wird und wird zu seinem eigenen Arzt. Er redet diese Idee dem Patienten aus dem Kopf. Profit gerettet. Eine kleine Info am Rande: In der Sowjetunion(wo Ärzte nicht auf Profit hin arbeiten durften und konnten) wurde jedem Diabetiker, neben speziellen Medikamenten auch Zitronensäure verschrieben.

Profitstreben ist weder gut noch schlecht, es ist eine Überlebensstrategie, aber nicht blind auf Autoritäten zu vertrauen und gelegentlich eigenen Kopf einzuschalten ist ebenfalls eine.

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